Ist Amateurfunk heute überhaupt noch zeitgemäß?

…zweifellos eine der am häufigsten gestellten Fragen, wenn es um Amateurfunk geht.

Eine provokante Gegenfrage bringt Sie auf die richtige Spur: was würde wohl jemand antworten, der in seiner Freizeit Sport treibt oder Fußball spielt und man ihn fragen würde, ob Sport überhaupt noch zeitgemäß ist? Wo es doch beides viel bequemer im Fernsehen gibt?

Die Reaktion wäre vermutlich Entrüstung und dass man Freizeitsport und jenen im Fernsehen doch nicht miteinander vergleichen könne. Schließlich will man doch auch aktiv etwas für die Bewegung und sein körperliches Wohlbefinden tun und nicht nur zuschauen. Und schon sind wir beieinander, funktechnisch gesprochen sozusagen „auf gleicher Wellenlänge“. Beim Amateurfunk ist das nämlich nicht anders.

Denn moderne Kommunikationstechnik lässt sich zwar bequem als Mittel zum Zweck zum Kontakthalten, zur Informationsgewinnung, zum Austausch untereinander oder zur Unterhaltung nutzen (Fernsehen, Internet, Smartphone, so genannte soziale Medien & Co. lassen grüßen), doch das ist im Regelfall nicht der Grund eines Funkamateurs, sich damit zu beschäftigen.

Auch ihm geht es zunächst um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die seinen Neigungen entspricht. Und der Antrieb ist oftmals eine gehörige Portion Neugierde und Faszination, sich aktiv und näher mit Natur und Technik auseinanderzusetzen, als dies ein bloßer Nutzer jemals kann … und vielleicht auch garnicht will. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine Vielzahl anderer Gründe, den Amateurfunk faszinierend zu finden und sich näher mit ihm zu beschäftigen. Beim Durchschauen unserer Homepage werden sie viele entdecken, die unsere Mitglieder irgendwann einmal dazu gebracht haben, sich diesem Hobby zuzuwenden.

Auch viele großen Entwickler der Funktechnik haben irgendwann auf diese Weise angefangen und später die anfänglich ganz private Neugierde zu ihrer Profession (ihrem Beruf) gemacht. Der bekannteste darunter ist sicherlich Guglielmo Marconi, dem nachgesagt wird, bereits um 1890 als 16jähriger Schüler auf dem elterlichen Anwesen seine ersten Versuche angestellt zu haben.

Erste organisierte Radioclubs tauchen in der Zeit um 1910 herum in Amerika auf, im Deutschen Reich wegen der restriktiven Vorschriften, die in jedem Radioamateur fast schon einen Staatsfeind sehen, erst in den 1920er Jahren. Die im Laufe der Zeit für Hör- und Sendeamateure verwendeten Begrifflichkeiten zu beschreiben, wäre vermutlich einen eigenen Artikel wert. Die heute verwendeten Begriffe „Amateurfunk“ und „Funkamateur“ werden in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg mit der Schaffung des Amateurfunkgesetzes üblich.

Die Liste bekannter Namen im Amateurfunk reicht bis zu bekannten Wissenschaftlern und gar Nobelpreisträgern der Gegenwart. Es kommt nicht von irgendwoher, dass auch die Internationale Raumstation ISS sowie fast alle Stationen in der Antarktis oder andere Expeditionen per Amateurfunk zu erreichen sind.

Doch das bestätigt nur einmal mehr, dass die von diesem Hobby ausgehende Begeisterung und Faszination keine Unterschiede kennt. Es ist also genau das Richtige für all diejenigen, die ihre Freizeit auch aktiv gestalten wollen und einen Eigenanspruch an die eigene geistige Beweglichkeit haben. Nicht nur in der Zeit der Vorbereitung auf die Prüfung zur Zulassung zum Amateurfunkdienst, sondern auch danach. Lebenslanges Lernen macht für viele den ganz besonderen Reiz dieses Hobbies aus. Denn ist erst einmal der Funke der Begeisterung für Funktechnik übergesprungen, lässt sie die Betroffenen meist ein ganzes Leben lang nicht mehr los.

Es gibt Sparten, die bis in den Bereich des Leistungssports reichen. Dazu gehören etwa Radionavigationsläufe. Und wem der sportliche Wettkampf mit anderen liegt, wird ebenso fündig. Neben zahlreichen über das ganze Jahr verteilten nationalen und internationalen Funkwettbewerben gibt es auch eine Weltmeisterschaft, bei denen die deutsche Mannschaft mit ihrem Rufzeichen DA0HQ regelmäßig führende Plätze belegt.

Und das Beste bei der Vielfalt unterschiedlicher Betätigungsmöglichkeiten ist die freie Auswahl. Welche Aspekte jeder einzelne Funkamateur für sich als den ganz besonderen Reiz ausmachenden im Hobby Amateurfunk reklamiert und wie viel Zeit er dafür mindestens „in der Luft“ sein (funken) muss, wird niemandem vorgeschrieben.

Selbst wer sich nur auf das reine Zuhören beschränken möchte, ist willkommen. Auch das hat seine Berechtigung und setzt noch nicht einmal eine Prüfung voraus. Der Empfang von Aussendungen des Amateurfunkdienstes und der Besitz von Amateurfunkgeräten sind nämlich nicht genehmigungspflichtig.

Die eingangs gestellte Frage müsste also genaugenommen „Gibt es noch mehr Hobbys, die so nahe an den Naturwissenschaften und der Zukunft liegen wie der Amateurfunk?“ lauten. Es ist genau das richtige für alle, die aktiv dabei sein und die Technik der Zukunft nicht nur nutzen, sondern auch verstehen wollen. Wir freuen uns darüber, ein so interessantes und vielfältiges Hobby zu haben.

Falls Sie jetzt ein etwas anderes Bild bekommen haben und neugierig geworden sind, was da möglicherweise noch so alles für ungeahnte Details ans Tageslicht kommen, würde uns das freuen.