Wo suchen Funkamateure Kronach?

Wenn Sie jetzt an einen Hinweis auf Google Earth und andere Kartendienste denken, sind Sie natürlich auf der Höhe der Zeit. Möglicherweise sind Sie aber gerade auf Kurzwelle mit einem Funkamateur aus Übersee ins Gespräch gekommen und möchten ihm gerne beschreiben, wo Sie zuhause sind.

Er verfügt aber leider über keine Ortskenntnisse, kennt Deutschland nur als kleinen Fleck auf der Weltkarte und hat keinen Zugriff auf das Internet. Eine Umschreibung mit der Lage/Entfernung zu benachbarten Großstädten (Nürnberg, Berlin, München...) wird dann in den meisten Fällen ausreichen, solange die Verbindung stabil und die Signalstärke ausreichend sind..

Wird allerdings die Übertragung durch atmosphärische Einflüsse oder stark schwankende Ausbreitungsbedingungen beeinträchtigt, ist selbst das mühsam. Kommt es dann auch noch auf Genauigkeit an (z. B. für Entfernungsberechnungen, etwa im UKW- oder Satellitenfunk) bleibt nur noch die Verwendung von geografischen Koordinaten bzw. daran angelehnter Systeme.

Koordinatensysteme als Hilfsmittel

Da der Austausch von Längen- und Breitengradangaben (jeweils mindestens 2 × 6-stellig für Grad/Minuten/Sekunden pro Standort) im Funkverkehr zu umständlich ist, wurde zur Vereinfachung bereits in den 50er Jahren ein spezielles Koordinatensystem (der „Locator“) für Funkamateure entwickelt. Damit war es möglich, jeden beliebigen Punkt in Europa mit einer 5-stelligen Buchstaben- und Zahlenkombination wiederzugeben. Anhand von Karten mit einem entsprechenden Gitternetz konnte nun vergleichsweise einfach die überbrückte Distanz per Lineal oder Maßband ermittelt werden: im Maßstab von 1 : 1.000.000 entspricht 1 mm auf der Karte 1 km in der Wirklichkeit. Eine mathematische Berechnung wäre über komplizierte Formeln zwar ebenfalls möglich gewesen, kam in der Praxis aber nur selten vor.

Im Jahre 1984 wurde anlässlich einer Konferenz der IARU (Weltweiter Verband der Funkamateure) in Maidenhead/Großbritannien das heute im Amateurfunk übliche Koordinatensystem eingeführt, womit sich jeder Punkt der Erde mit einem 6-stelligen Schlüssel eindeutig darstellen lässt. In unseren Breitengraden entspricht ein Kleinfeld etwa einer Größe von 5,9 × 4,6 km, was von der Genauigkeit her für Amateurzwecke vollkommen ausreichend ist.

Eine solche Angabe könnte dann etwa JO50PF lauten, die der Gegenstation verrät, dass sich sein Gesprächspartner geografisch im westlichen Stadtgebiet von Kronach befindet.

Mit Computern und entsprechenden Programmen ist die Berechnung der Entfernung und weiterer vom Standortkenner abgeleiteten Funktionen (z.B. grafische Anzeige in elektronischen Kartenwerken, Richtungsangabe, Antennensteuerung, Umrechnung in Längen- und Breitengrad...) inzwischen in Sekundenbruchteilen möglich - das früher übliche Maßband und die papierne Karte haben ausgedient.

Die Systematik

Das Gitternetz der Funkamateure beginnt "links unten" am Südpol (90 Grad südlicher Breite) bzw. der Datumsgrenze (180 Grad westlicher Länge) mit dem Feld AA00AA und endet "rechts oben" am Nordpol (90 Grad nördlicher Breite) bzw. 180 Grad östlicher Länge mit RR99XX.

Die beiden ersten Buchstaben teilen die Erde dabei in 18 × 18 (324) Größtfelder (engl. Fields). Die folgende, 2-stellige Zahl unterteilt jedes Größtfeld dann zunächst in 10 × 10 (100) Großfelder (Squares) und die letzten beiden Buchstaben schließlich noch einmal jedes Großfeld in 24 × 24 (576) Kleinfelder (Subsquares).

  Größtfeld Großfeld Kleinfeld
Größe pro Feld (Geografische Länge × Breite) 20 × 10 Grad 2 × 1 Grad 5 × 2,5 Minuten
Bezeichnung AA - RR 00 - 99 AA - XX
Lage des Landkreis Kronach JO 50 siehe unten

Der Landkreis Kronach im Koordinatensystem der Funkamateure

Rein geografisch gesehen liegt der Landkreis Kronach im oben beschriebenen Raster ganz grob zwischen 50 Grad 7,5 Minuten und 50 Grad 32,5 Minuten nördlicher Breite sowie 11 Grad 10 Minuten und 11 Grad 40 Minuten östlicher Länge, d. h. im Bereich der Kleinfelder JO50OD...JO50OM bis JO50TD...JO50TM:

 

 

Zur Zuordnung eines Standortes zu einem bestimmten Kleinfeld sollte ausschließend exaktes Kartenmaterial verwendet werden, wofür sich etwa die Topografischen Karten des Bayerischen Landesvermessungsamtes oder auch verschiedene Quellen im Internet anbieten. Eine frei zugängliche Quelle mit hoher Auflösung ist dabei die Seite https://www.opentopomap.org/#map=12/50.2599/11.3194 , auf der sich nicht nur der gewünschte Kartenausschnitt durch Zoomen verändern und mit der Maus verschieben, sondern auch das Locatornetz der Funkamateure einblenden läßt. Die Schaltfläche dazu befindet sich auf dem Bildschirm in dem kleinen Kästchen mit den drei waagerechten Linien rechts oben in der Ecke. Einfach Anklicken und dort "QTH-Locator" wählen.

 

Zukunftsaussichten…

Für das beschriebene Koordinatensystem gibt es inzwischen Überlegungen, durch eine Erweiterung um weitere Felder (Kleinstfelder, Nanofelder) zu einer höheren Genauigkeit zu kommen. Diese werden bislang in der Praxis allerdings noch nicht genutzt.